Diese Rezension wurde uns von Andreas Münch zur Verfügung gestellt. Er ist Autor des Buches „Der wahre Gott der Bibel“, des Andachtsbuches „Leben als Gottes Volk – tägliche Andachten aus den fünf Büchern Mose“ und er schreibt regelmäßig Artikel für das Timotheus Magazin. Hier erfahren Sie mehr über ihn: andreas-muench.com.


 

Neulich führte ich im Internet einen argumentativen Schlagabtausch mit einem ziemlich selbstbewussten Atheisten. Es war eine fruchtlose Diskussion, da mein Gegenüber kein Argument, und so es noch so vernünftig, auch nur ansatzweise gelten ließ und bereit war, seine Position zu überdenken. Solche Menschen begegnen einem immer wieder, aber erfreulicherweise gibt es auch die Menschen, die dem christlichen Glauben skeptisch gegenüberstehen, die aber bereit sind ihre Denkweise einer kritischen Prüfung zu unterziehen. Und für genau solche Leute, die aus intellektuellen Gründen ihre Mühe mit den Behauptungen des Christentums haben (z.B. das es einen Gott gibt, das Jesus von den Toten auferstand, usw.), ist dieses Buch gedacht.

Der Autor, William Lane Craig, ist Research Professor der Philosophie und momentan wohl einer der aktivsten Apologeten des christlichen Glaubens. In dem Buch »theo:logisch - Warum der christliche Glaube vernünftig ist« ist es Craigs Anliegen, allein aufgrund der Logik aufzuzeigen, dass die christliche Weltanschauung mit ihren Hauptaussagen, der Wahrheit entspricht und somit für einen vernünftig denkenden Menschen ein annehmbares Glaubenssystem darstellt.

Im Vorwort schreibt Craig:

»Dieses Buch soll eine Art Wegweiser sein für diejenigen, die die Wahrheit des Christentums erkunden wollen. Dieses Buch sollte also studiert und nicht nur gelesen werden.« (S. 9).

Zweifellos wird man bereits nach wenigen Seiten feststellen, dass es keine einfache Lektüre ist, da man selbst beständig herausfordert ist, mitzudenken und der Argumentation des Autors zu folgen. Im Vorwort wird erklärt, wie der Autor vorgeht. Zu unterschiedlichen Themen werden jeweils Argumente und Schlussfolgerungen aufgestellt, wobei auf mögliche Einwände und Gegenargumente eingegangen wird. Am Ende eines jeden Kapitels wird die Argumentationslinie des Autors anschaulich graphisch dargestellt, so dass man die grundsätzlichen Gedanken leicht nachvollziehen kann. Meines Erachtens eine große Hilfe, bei der Lektüre.

In Kapitel 1 geht Craig der Frage nach, warum ein solches Buch, oder die Suche nach der Wahrheit uns überhaupt interessieren sollte. Der Autor steigt sofort ins Thema ein und stellt die These auf, dass ein Leben ohne Gott letztendlich absurd sein muss, da es ohne Gott keinen Sinn und keine Werte im Leben geben kann. Craig untersucht kritisch die atheistische Anschauung und hinterfragt, ob sie wirklich in aller konsequent lebbar ist. Denn wenn die atheistische Weltanschauung der Wahrheit entspricht, dann hat unser Leben letztendlich keinen Sinn, denn woher sollte uns dann Bedeutung zukommen? Ohne ein göttliches Wesen, also eine übernatürliche Macht über uns, gibt es auch keine moralische Werte und niemand wird uns - in diesem, wie im nächsten Leben - für unsere Taten zur Rechenschaft ziehen. Gerade an diesem Punkt veranschaulicht Craig das Dilemma sehr drastisch, indem er z.B. auf die Folterungen in den sowjetischen Gefängnissen bezieht, in denen die Folterer ganz bewusst ihre grausamen Machenschaften damit rechtfertigten, dass sie niemand für ihre Taten zur Rechenschaft ziehen wird (vgl. S. 21). Im weiteren Verlauf des Buches wird der Autor immer wieder radikale Beispiele heranziehen, um aufzuzeigen, zu welchen Schlussfolgerungen wir kommen müssen, wenn wir ein bestimmtes Glaubenssystem bis zum Ende konsequent durchdenken.

Die Kapitel 2-9 behandeln jeweils eine fundamentale Frage: 2) Warum existiert überhaupt irgendetwas? 3) Warum begann das Universum zu existieren? 4) Warum ist das Universum so fein abgestimmt, dass Leben möglich ist? 5) Können wir ohne Gott gut sein? 6) Und was ist mit dem Leid? 7) Wer war Jesus? 8) Ist Jesus von den Toten auferstanden? 9) Ist Jesus der einzige Weg zu Gott?

Der Natur der Sache entsprechend sind die Kapitel inhaltlich recht unterschiedlich gelagert und so wird der Leser mit dem ein oder anderen Kapitel mehr anfangen können, als mit anderen (zumal jeder Skeptiker »sein besonderes« intellektuelles Problem hat).

Die Kapitel 2-4 behandeln die Frage nach der Existenz unseres Universums. Die Argumente und Gegenargumente sind für Laien, die sich nicht näher mit dem Thema auseinandergesetzt haben und für die Physik nicht gerade das Lieblingsfach in der Schule war, nicht immer einfach zu verstehen, obwohl der Autor viele Veranschaulichungen heranzieht, um das Thema auf verständliche Weise herunterzubrechen. Fachwörter oder wichtige Personen sowie Konzepte werden neben dem Fließtext gesondert aufgeführt, so dass man nicht erst bei Wikipedia nachschlagen muss, um dem Gedankengang zu folgen. In jedem Kapitel finden sich einzelne Fragen und Anregungen zum weiteren Nachdenken oder als Gesprächsgrundlage für weitere Diskussionen.

Kapitel 5-6 behandeln andere Themen als bisher und wenden sich dem moralischen Problem zu. Diese beiden Kapitel sind vermutlich für viele Leser weitaus zugänglicher, da sie Fragen behandeln, die für die meisten Skeptiker alltäglicher sind. Craig macht deutlich, dass Menschen zwar ohne den Glauben an Gott gut sein können (nach menschlichem Empfinden), dass wir aber unbedingt Gott brauchen, um eine Basis für gut und böse, richtig und falsch zu haben, da ein atheistischer Humanismus ein willkürlicher und unplausibler Haltepunkt ist. Kapitel 6 behandelt eines der Hauptargumente, die gegen eine Existenz Gottes ins Feld geführt werden, nämlich das offensichtliche Leid in der Welt. Der Autor weist darauf hin, dass man das Thema von zwei Seiten aus betrachten kann, nämlich von der emotionalen als auch von der intellektuellen Warte aus. Dem Titel des Buches folgend, geht Craig das Thema streng logisch an. Er zeigt auf, dass es nach der christlichen Weltanschauung intellektuell kein Problem ist, dass sowohl Gott als auch das Leid existieren, da z.B. der Mensch in Rebellion mit seinem Schöpfer lebt oder die Hauptbestimmung des Menschen nicht darin besteht glücklich und leidfrei zu leben, sondern Gott zu kennen.

Die Kapitel 7-8 sind historischer Natur und gehen der Frage nach, wie wahrscheinlich es ist, gemessen an einer fairen Analyse der vorliegenden historischen Daten, dass Jesus tatsächlich gelebt hat und von den Toten auferstanden ist. Craig betont die Zuverlässigkeit der neutestamentlichen Schriften und widerlegt ein populärwissenschaftliches Gegenargument nach dem anderen. Diese Kapitel bergen auch für geschulte Bibelkenner noch so manche neue Erkenntnis, wenn es um die Kultur und Gepflogenheiten zur Zeit Jesu ging. So merkt Craig z.B. an, dass die Juden zur Zeit Jesu zwar an eine Auferstehung der Toten glaubten, allerdings nur im Sinne einer allgemeinen Auferstehung, am Ende der Zeiten und nicht an eine individuelle, auch nicht die des Messias. Demnach wäre es den Jüngern Jesu wohl nie in den Sinn gekommen, Jesu Leichnam zu stehlen und zu behaupten, dass er von den Toten auferstanden sei. (S. 235).

Das letzte Kapitel behandelt die Frage, ob Jesus der einzige Weg der Rettung ist? Hier geht es vor allem um die Frage, was mit den Menschen passiert, die nie die Chance hatten, von Jesus zu hören, weil sie entweder vor ihm gelebt haben oder das Evangelium nie zu ihnen gekommen ist? Auch die Frage, wie die Hölle, als ewige Strafe für zeitliche Sünden nachvollziehbar sein soll, wird hier behandelt. Im Großen und Ganzen sind die Antworten ausgereift und dürften viele zufriedenstellen. Doch an dieser Stelle muss ich doch ein paar kritische Anmerkungen machen.

Craig schreibt auf Seite 260: »Doch in einem gewissen Sinn sind es nicht diese Sünden [vorher werden diverse Tatsünden aufgelistet], die einen von Gott trennen. Denn Christus ist für diese Sünden gestorben, die Strafe für diese Sünden wurde bezahlt. Man muss nur Christus als Heiland annehmen, um von solchen Sünden komplett frei und rein zu sein.« Craig argumentiert in diesem Buch streng logisch. Jetzt kann man aber einwenden, dass, wenn Christus tatsächlich für diese Sündenschuld bezahlt hat, es ungerecht ist, wenn der Sünder die Schuld für diese Sünde immer noch zu tragen hat (wie Calvinisten ja gegenüber Arminianern anmerken).

Als es das Problem der Informationslage geht, schreibt Craig auf Seite 261: »Jemand, der seine Vergebungsnotwendigkeit durch sein schlechtes Gewissen spürt und sich auf die in der Natur geoffenbarte Barmherzigkeit Gottes werfen wird, kann errettet werden.« Meines Wissens spricht die Bibel davon, dass wir aus der Natur Gottes ewige Kraft und Göttlichkeit erkennen können, aber nicht seine Barmherzigkeit oder Gnade (vgl. Röm 1,20). Mir scheint, dass Craig der natürlichen Offenbarung zuviel zutraut, wenn er schreibt: »Dennoch ist festzuhalten, dass die Errettung für jeden, der nie etwas vom Evangelium gehört hat, immer noch durch Gottes allgemeine Offenbarung in der Natur und im Gewissen universell verfügbar ist« (S. 262).

Auch wenn ich weiß, dass Craig möglichst schlüssige Antworten geben möchte, so wünschte ich mir, dass er sich irgendwann damit begnügt, darauf zu verweisen, dass wir Gottes Absichten nicht verstehen können und wir irgendwann einen Punkt erreichen, an dem wir uns vor der Göttlichkeit still und ehrfurchtsvoll verneigen, so z.B. bei der Frage: Warum hat Gott die Welt überhaupt geschaffen, wo er doch wusste, dass so viele Menschen dem Evangelium nicht glauben und so verlorengehen würden? (S. 268).

Leider fehlte mir auch ein Hinweis auf die biblische Sichtweise, dass der Mensch ein Sünder ist, der sich selbst überlassen niemals positiv auf das Evangelium reagieren würde, weshalb die Diskussion, dass es Menschen gibt, die das Evangelium angenommen hätten, wenn man es ihnen erzählt hätte, überflüssig ist (vgl. S. 270). Hier scheint Craig von der Willensfreiheit des Menschen in Bezug auf die Annahme des Evangeliums auszugehen, während er später bei der evangelistischen Einladung davon spricht, dass die Wiedergeburt ein Werk des Heiligen Geistes ist, der geistlich tote Menschen zum Leben erweckt (vgl. S. 287).

Insgesamt gesehen ist das Buch ein stimmiges Plädoyer für die Wahrhaftigkeit des christlichen Glaubens. Meine Kritikpunkte dürften dem nicht-christlichen Skeptiker vermutlich ohnehin nicht auffallen. Ob er sich von den Argumenten überzeugen lässt, kann ich, als bereits überzeugter Christ, nur schwer beurteilen. Wer sich jedoch für das Gespräch mit Kritikern wappnen möchte, oder ein Buch sucht, dass er Skeptikern als Hilfestellung anbieten kann, der ist mit diesem Buch gut beraten.