Datum: Mittwoch, 02. Juni 2010
Autor: Peter V.
Rezension:
Das Buch „Auserwählt und Eins gemacht“ von Pastor und Gemeindegründer Tim Kelly ist ein ganz besonderes Stück Literatur. Es gibt einige Gründe für meine Feststellung. Erstens sind (moderne) Bücher mit dem Thema der Erwählung eher selten anzutreffen. Zweitens ist es außergewöhnlich wie sich Kelly dem Thema der Erwählung nähert.
„Die Lehren der Gnade“ von Boice und Ryken (ebenfalls bei Betanien erschienen), behandelt im groben zwar die gleiche Thematik, jedoch hat Kelly es geschafft einen ganz eigenen Zugang zu der Lehre der Erwählung zu finden. Dabei ist dieser Zugang keinesfalls Innovativ.
Kelly stellt die Lehre der Erwählung nämlich allein von Bibel her, vor. Dabei zitiert er oft ganze Bibeltexte und legt die betreffenden Stellen hinterher aus. Auch zitiert Kelly kaum historische Gottesmänner. Auch die üblichen Verdächtigen wie Calvin oder Augustinus werden nicht zu Rate gezogen. Damit unterscheidet sich Kellys Werk sehr stark von „Die Lehren der Gnade“, in dem sehr viele Gottesmänner aus vergangenen Zeiten, Bekenntnisse und die Kirchengeschichte zitiert werden (was ja nichts schlechtes sein muss). Letztlich ist „Die Lehren der Gnade“ ein Plädoyer für die Lehre der Erwählung, basierend auf dem Calvinismus.
Ich wage mich soweit aus dem Fenster und behaupte: „Auserwählt und Eins gemacht“ ist ein Plädoyer für die Erwählung, basierend auf der Bibel. So nähert sich Kelly also Schritt für Schritt der Lehre der Erwählung und behauptet sogar, dass diese Lehren der „Einung“ der Gemeinde dienen, wenn Sie richtig angewendet werden. Pastor Tim Kelly schafft es nicht nur theologisch korrekt zu bleiben sondern gibt auch der Theopraxie genügt Raum, um zu beantworten: Wie wirken sich die Lehren der Gnade, praktisch aus?
Insgesamt also ein solides, besonderes wenn nicht sogar hervorragendes Buch über die Lehren der Gnade. Nur im neunten Kapitel „Falsche Vorstellungen von der Erwählungslehre“ merkt er einiges an, was vielleicht ein wenig irritierend ist.
So schreibt er im betreffenden Kapitel:
„Ich habe so viele schreckliche Erklärungen gehört, wie die Verantwortung des
Menschen und Gottes Souveränität wie Eisenbahnschienen parallel zueinander
stehen und irgendwo jenseits unseres Fassungsvermögens zusammengehen.
Manche Pastoren und Lehrer gehen so weit zu sagen, dass wir dieses
>>Rätsel<< verstehen werden, wenn wir bei Gott sind.“
Das Beispiel mit den zwei Linien, hat auch der von mir sehr geschätzte William MacDonald gebraucht um die Souveränität Gottes und die Verantwortlichkeit des Menschen in „Einklang“ zu bringen (was mir sehr hilfreich war und ist). Auch maße ich mir nicht an Gottes geheimnisvollen Ratschluss zu verstehen und freue mich darauf, diesen in der Ewigkeit vollkommen zu erkennen. Wie gesagt, diese Aussagen von Kelly haben ich mehr irritiert, auch weile seine folgenden Erklärungen, meiner Meinung nicht wirklich einleuchtend ist. Doch das Werk im ganzen, ist wirklich ein sehr lesenswertes. Ich schließe mich Erwin Lutzer an, der das Vorwort zu diesem Buch verfasst hat:
„Hier liegt ein Beispiel für die Art der Schriftauslegung vor, die Leben
verändert: gut durchdacht, praktisch und von Herzen kommend. Mein Gebet
ist, dass dieses Buch viele Leser erreichen möge.“
Wenn das Buch in deiner Bibliothek fehlt, kaufe es, lese es und stelle es in dein Regal neben Calvins Institutio..;-)
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